Forscher entdecken neuen autoinflammatorischen Zustand

Ein Team von Spezialisten aus Australien und den Vereinigten Staaten hat eine neue autoinflammatorische Erkrankung beim Menschen identifiziert. Sie verstehen auch die Ursachen, was den Forschern helfen kann, eine angemessene Behandlung zu finden.

Autoimmunerkrankungen entstehen, wenn die Immunantwort des Körpers abnormal aktiviert wird. Wenn dies geschieht, wendet sie sich gegen gesunde Zellen, statt nur auf potenziell schädliche Stoffe wie Viren oder gefährliche Bakterien zu reagieren, wie es eigentlich nötig wäre.

Wiederkehrende Fieber mit unklaren Ursachen und weit verbreitete Entzündungen kennzeichnen solche Erkrankungen.

Sie sind zwar nicht weit verbreitet, aber für Ärzte sind autoinflammatorische Erkrankungen oft schwer zu diagnostizieren. Dies ist problematisch, da diese Erkrankungen das Wohlbefinden und die Lebensqualität eines Menschen stark beeinträchtigen können.

Bislang haben Forscher nur eine Handvoll autoinflammatorischer Erkrankungen identifiziert. Dazu gehören das familiäre Mittelmeerfieber, das Cryopyrin-assoziierte periodische Fiebersyndrom, die Still-Krankheit und das periodische Fieber, die aphthöse Stomatitis, die Pharyngitis und das Adenitis-Syndrom (PFAPA).

Kürzlich hat jedoch ein Expertenteam der Universität von Melbourne in Australien und der National Institutes of Health (NIH) in Bethesda, MD, eine weitere autoinflammatorische Erkrankung entdeckt.

Die Forscher nannten sie „spaltresistentes RIPK1-induziertes autoinflammatorisches Syndrom (CRIA)“. Wie sie es entdeckt haben und was ihrer Meinung nach der Weg zu einer Behandlung sein könnte, erläutern sie in einer Studienarbeit in der Zeitschrift Nature.

Ein „bemerkenswerter“ Befund

Das Interesse der Forscher wurde geweckt, als Mitglieder dreier verschiedener Familien eine Behandlung für eine mysteriöse autoinflammatorische Störung suchten, deren Hauptmerkmale Fieberzustände und Lymphknotenschwellungen waren.

Diese Personen berichteten, dass sie die Symptome erstmals in der Kindheit erlebten, obwohl sie bis ins Erwachsenenalter bestanden hatten.

Um herauszufinden, was die Ursache für diese unbekannte autoinflammatorische Erkrankung war, haben die Forscher die DNA der Personen untersucht. Die Forscher fanden die Ursache der Erkrankung, als sie die Exome in den DNA-Proben der Menschen mit CRIA-Syndrom analysierten. Das Exom ist ein Teil des genetischen Materials einer Person, das für Proteine kodiert.

Beim Betrachten der Proben machten die Forscher die verblüffende Entdeckung, dass alle Menschen mit CRIA-Syndrom ein mutiertes RIPK1-Gen hatten.

Dieses Gen kodiert das gleichnamige spezialisierte Protein (Enzym), das eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des programmierten Zelltodes (Nekroptose) spielt.

„Zelltodwege haben eine Reihe von eingebauten Mechanismen entwickelt, die Entzündungssignale und Zelltod regulieren, weil die Alternative so potenziell gefährlich ist“, erklärt Dr. Najoua Lalaoui, eine der leitenden Forscherinnen dieser Studie.

„Bei dieser Krankheit jedoch überwindet die Mutation in RIPK1 alle normalen Kontrollen und Gleichgewichte, die es gibt, was zu unkontrolliertem Zelltod und Entzündungen führt“, betont sie.

Der Befund lieferte den Schlüssel zum Verständnis, wie sich die neu entdeckte autoinflammatorische Erkrankung entfaltet, betont ein weiterer der Hauptautoren, Dr. Steven Boyden.

Sind Sie auf dem Weg zu einer Behandlung?

Obwohl die Krankheit ein Neuling im klinischen Stadium ist und keine offensichtliche Behandlung hat, argumentieren die Spezialisten, die sie entdeckt haben, dass die Antwort auf das CRIA-Syndrom höchstwahrscheinlich in der Ursache liegt, die es antreibt.

„Das Verständnis des molekularen Mechanismus, durch den das CRIA-Syndrom eine Entzündung verursacht, bietet die Möglichkeit, das Problem an der Wurzel zu packen“, sagt Dr. Dan Kastner, einer der führenden Spezialisten für Entzündungskrankheiten.

Wie Dr. Kastner erklärt, haben er und seine Kollegen bereits damit begonnen, nach Möglichkeiten zur Behandlung dieser Erkrankung zu suchen. Tatsächlich haben sie bereits einige Menschen mit CRIA-Syndrom mit entzündungshemmenden Medikamenten, wie hochdosierten Kortikosteroiden und Biologika, behandelt.

Während einige Menschen nach der Behandlung eine deutliche Besserung zeigten, kam es bei anderen nicht zu einer Besserung oder zu Nebenwirkungen.

Die Forscher sind jedoch zuversichtlich, dass sie für alle Betroffenen eine geeignete Therapie finden werden.

„RIPK1-Inhibitoren könnten genau das sein, was der Arzt für diese Patienten verordnet hat“, sagt Dr. Kastner. „Die Entdeckung des CRIA-Syndroms lässt auch auf eine mögliche Rolle von RIPK1 bei einem breiten Spektrum menschlicher Erkrankungen wie Colitis, Arthritis und Psoriasis schließen.

Und es gibt noch eine weitere gute Nachricht – RIPK1-Hemmer stehen den Forschern bereits zur Verfügung, so dass laufende Tests die Behandlung von Fall zu Fall weiter verfeinern und perfektionieren können.